Donnerstag, 30. Juni 2016

Rezension: "Young Sherlock Holmes - Der Tod liegt in der Luft" von Andrew Lane


Autor: Andrew Lane
Originaltitel: Young Sherlock Holmes 1 - Death Cloud
Deutscher Titel: Young Sherlock Holmes - Der Tod liegt in der Luft
Verlag: Fischer Taschenbuch
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 416
Preis: 8,99€
Bewertung: 1 von 5 Sternen 

Um was geht es? 

Der junge Sherlock Holmes soll seine Sommerferien auf dem Land verbringen – bei Tante Anna in Farnham. Stundenlang dauert die Reise und nichts als Gerstenfelder weit und breit. Noch öder geht es ja wohl kaum, Sherlock ist stocksauer. Doch dann kommt alles ganz anders und plötzlich ist er mittendrin in seinem ersten Fall. Mysteriöse Todesfälle, prügelnde Muskelprotze und ein böser Baron – das erste Abenteuer des jungen Meisterdetektivs beginnt.

Meine Meinung: 
Also, ganz ehrlich, eigentlich wollte ich zu diesem Buch gar keine Rezension schreiben, aber nachdem ich es vor wenigen Minuten beendet habe, muss ich meiner Frustration einfach Luft machen.
Vorweg: Die Beweggründe, warum der Autor diese Reihe unbedingt schreiben wollte, sind absolut nachvollziehbar. Wie er selbst im Nachwort sagte, wollte er sich mit der Jugend von Sherlock Holmes auseinandersetzen und hatte sich überlegt, wie sein Leben damals so gewesen sein konnte. Denn alle bisher erschienenen Bücher befassen sich nur mit dem erwachsenen Sherlock. So weit, so gut. 
Angepriesen wird das Buch mit dem Satz "Der größte Detektiv aller Zeiten in seinen spannendsten Fällen". Meine Erwartungen waren hoch. Zu hoch, wie sich herausstellte. In meinen Augen ist das Buch alles andere als spannend. Es gibt so viele Ausschweifungen, Details, die unwichtig sind. Bei der Beschreibung von Orten oder ähnlichem wird manchmal über eine Seite ins Detail gegangen, was den Spannungsbogen enorm senkt. Ich habe nichts gegen Ortsbeschreibungen. Im Gegenteil, der Leser soll sich ja vorstellen können, wie es dort gerade aussieht. Aber es kam einfach in so unpassenden Momenten, dass ich mich teilweise wirklich gelangweilt habe und sogar überlegt hatte, ein paar Seiten vorzuspringen, um endlich zum Punkt zu kommen. Nur der Punkt kam nicht. Auf den letzten 100 von 416 Seiten kam dann langsam etwas, das man als Spannung bezeichnen konnte. Für mich aber immer noch nicht so, dass es mich packen konnte. Im Endeffekt war ich einfach nur froh, als ich die letzte Zeile gelesen hatte und das Buch schließen konnte.
Was mich sprachlich sehr stört, ist, dass es häufig zu Wiederholungen kommt. Sowas wurde uns früher in Aufsätzen als Fehler angestrichen. Es kann wohl sein, dass das an der Übersetzung liegt, das vermag ich nicht zu beurteilen.

Weiterhin wird man mit den Charakteren irgendwie einfach nicht warm. Ich finde zum Beispiel Mr. Crowe und Matty, Lehrer und Freund von Sherlock, wesentlich interessanter als Sherlock selber. Dabei ist das Buch aus seiner Perspektive geschrieben, man kann also jeden seiner Gedankengänge nachvollziehen. Wenn wir schon bei den Figuren im Buch sind: Sherlock und Virginia, die Tochter von Mr. Crowe, sind mir viel zu abgebrüht. Sie sind beide noch Kinder und bringen mal eben so mir nichts, dir nichts Leute um, ohne dabei auch nur etwas zu empfinden. Sehen Leichen, ohne irgendeinen psychischen Schaden davonzutragen. Ganz am Ende hat Sherlock so etwas wie ein schlechtes Gewissen. Aber dann dreht er sich um und zack, schon ist alles wieder vergessen. Klar, Sherlock ist anders als andere. Macht nach den Geschichten über den Erwachsenen auch Sinn. Aber Virginia auch? Alle so ohne Gefühl und Skrupel? Ich weiß ja nicht.
Außerdem gibt es so viele unlogische Sachen in dem Buch, die selbst der Autor nicht erklären kann, weshalb er es auf Zufälle schiebt, denn allein durch Logik kommt man da nicht weit. Dann solche Sachen wie die Szene, als der schmale, junge, untrainierte Sherlock ganz locker mit einem (so zuvor beschrieben) massigen, starken, erwachsenen und riesigen Mann fertig wird. Ohne, dass dieser Sherlock großartig etwas anhaben kann. Allgemein ist die ganze Geschichte sehr überzogen. Wie schon erwähnt die Abgebrühtheit aller beteiligten Personen (aller!), dann die Erklärung, wie der Baron (in diesem Falle der Bösewicht), der sich selber nicht mehr bewegen kann, von seinen Dienern über Seile gesteuert wird. Natürlich alle im Einklang, so dass der Baron einen Fechtkampf ausüben kann, der einem Profi in nichts nachsteht. Im Ernst? Ich konnte einfach nur noch mit dem Kopf schütteln. Beinahe sogar lachen, denn man konnte die ganze Geschichte nicht mehr ernst nehmen. Für den Fall, dass ich das am Anfang getan hatte. Die ganze Story wurde auch so unnötig in die Länge gezogen. Wenn man alles kürzer und knackiger erzählt hätte, wäre vermutlich mehr Spannung aufgekommen und ich müsste das Buch jetzt nicht so zerreißen. Ich mag es absolut nicht, Büchern so eine schlechte Bewertung zu geben, ohne auch nur ein gutes Haar daran zu lassen. Aber sorry, hier fallen mir einfach keine positiven Aspekte ein. 

Ich war lange nicht mehr so enttäuscht und hatte auch lange nicht mehr das Bedürfnis, ein Buch einfach abzubrechen und ein neues zu beginnen. Für mich war das definitiv der erste und der letzte Fall mit dem jungen Sherlock Holmes. Tut mir leid.

Probiert es selbst, vielleicht sagt euch das Buch mehr zu. Mein Fall war es jedenfalls nicht. 

Bis demnächst,eure Lisa

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