Dienstag, 12. Juli 2016

Rezension: "Crazy Moon" von Sarah Dessen


Autor: Sarah Dessen
Originaltitel: Keeping the moon
Deutscher Titel: Crazy Moon
Verlag: dtv junior
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 288
Preis: 7,95€
Bewertung: 2 von 5 Sternen


Um was geht es? 
Sommerferien auf dem Land? Keine verlockende Perspektive für Colie. Viel lieber würde sie ihre Mutter auf deren Europa-Tournee begleiten anstatt alleine in das stinklangweilige Kaff Colby zu fahren, in dem ihre Tante lebt. Denn seit Colie beträchtliche Fettpolster, damit aber auch ihre Schutzschicht verloren hat, soll ihr nur ja keiner zu nahe kommen. Um ungebetenen Annäherungsversuchen sicher vorzubeugen, trudelt sie mit wild gefärbten Haaren, gepierct und voller Hass auf die Welt in Colby ein. Der Erste, dem sie begegnet, ist Norman. Aber der scheint sich gar nicht abschrecken zu lassen...

Meine Meinung: 

Fangen wir mal mit dem einzig Positiven an, das ich zu dem Buch zu sagen habe: Die Idee dahinter ist eigentlich gut und sinnvoll, die Botschaft auch, wenn man sie richtig rübergebracht hätte. Das Ende hat nochmal ein wenig herausgerissen. Aber im Großen und Ganzen war ich enttäuscht, genervt und stinksauer.

Colie, die Hauptperson in der Geschichte, ist so ein unsympathischer und sturer Mensch. Uneinsichtig, Ich-bezogen, nervig. Alleine das nimmt einem schon den Lesespaß. Ich muss wenigstens ein bisschen mit der Figur sympathisieren, um das Buch gut finden zu können, aber das war hier keineswegs so. Sie ist so ein richtig bockiger Teenager, den man stundenlang mit dem Kopf gegen die Wand hauen möchte. Keine der Figuren war mir besonders sympathisch, außer vielleicht Norman. Der hatte noch den besten Charakter von allen.

Dieses Buch ist so dermaßen mit Vorurteilen und Klischees behaftet, dass ich es manchmal am liebsten in irgendeine Ecke gepfeffert hätte. Und ich gehe IMMER gut mit meinen Büchern um. Hier hatte ich das Bedürfnis, es zu zerreißen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen, gingen mir folgende Aussagen extrem gegen den Strich. Im Zusammenhang mit dem Mobbing ihrer Tante sagt Colie: "Aber ich hielt den Mund, schließlich wurde nicht ich angegriffen, sondern sie." Im Ernst? Genau DAS sind die Gründe, warum so viele Menschen gemobbt werden. Weil sich so viele Leute denken, dass es ja nicht ihr Problem ist. Weil sich keiner mit irgendwem anlegen möchte, aus Angst, selbst in die Schusslinie zu geraten. Da könnte ich platzen. Ganz ehrlich. Ich weiß selber, wie das ist. Ich "durfte" selber die Erfahrung machen. Vielleicht regt mich das deshalb so besonders auf. Aber es sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand, dass ich helfe. Auch, wenn es nicht mich betrifft. Wie egoistisch kann man sein? Das ist in etwa so, wie zuzugucken, wenn jemand verprügelt wird. Selbst wenn ich selber nicht eingreifen kann HOLE ICH HILFE!

Ein anderes Beispiel wäre der Satz "Wie weiße Jungs eben tanzen." Aha. Wie tanzen weiße Jungs denn? Tanzen die schlechter oder besser, als Jungs mit einer anderen Hautfarbe? Das ist ja wohl immer vom Menschen selber abhängig und hat absolut nichts mit der Hautfarbe zu tun. Bei so Aussagen wird mir ehrlich schlecht. Es geht einfach ums Prinzip. Fähigkeiten und Charakter haben verdammt nochmal NICHTS mit der Hautfarbe zu tun!
Dann wird immer lang und breit erklärt, wie Colies (korpulente) Tante Essen in sich hineinstopft. Nicht jeder dicke Mensch frisst wie ein Schwein. Nicht jeder dünne Mensch isst wie eine Prinzessin. Und nicht jeder dicke Mensch ist vom Essen dick! Natürlich gibt es Menschen, die einfach auf ihre Ernährung achten müssten. Aber dieses Klischee hier immer wieder so übertrieben darzustellen, das geht gar nicht.

Außerdem bekommt man das Gefühl, das Buch wolle folgende Botschaft übermitteln:

Nur, wenn du schlank und geschminkt bist, keine Makel hast oder sie überdeckst, deine Einzigartigkeit aufgibst und dich der Masse anpasst, nur dann bist du selbstbewusst und schön. 

Und gerade für junge Mädchen, die solche Bücher ja hauptsächlich lesen, kann so etwas einfach total falsch rüberkommen und ihnen ein völlig falsches Selbstwertgefühl geben. Erst etwa die restlichen 40 Seiten drehen die Botschaft des Buches ins Gegenteil, was auch die eigentliche Idee dahinter ist, die mir (im Prinzip) gefällt. Aber das ist zu spät. Bei 288 Seiten bis kurz vor Schluss etwas völlig Dämliches zu vermitteln, finde ich nicht richtig. Der Dreh hätte früher kommen müssen.

Mal davon abgesehen werden so viele Probleme in dem Buch angeschnitten, Colies Tante und Mutter betreffend, Morgan und Isabel (neu gewonnene Freundinnen von Colie) betreffend, die nicht gelöst werden. Die Geschichte ist langweilig, dreht sich immer wieder um dasselbe und bleibt irgendwie auf der Stelle. Hätte man aber die anderen Probleme noch aufgegriffen und einen Lösungsweg (oder zumindest -ansatz) dafür gefunden, wäre das Ganze vielfältiger und interessanter gewesen. 

Außerdem hat der Lektor/die Lektorin auch einige Male gepennt. Da sind Rechtschreib und Grammatikfehler oder auch einfach nur Tippfehler drin, die man hätte vermeiden können.

Das Buch hat lange, lange Zeit auf meinen SuB gelegen. Ich habe schon mal ein Buch von Sarah Dessen gelesen und fand es wirklich toll, denn da ist die richtige Botschaft rübergekommen. Aber das hier, das war - entschuldigung - ein Griff ins Klo. Es landet nun in meinem Regal und wird für immer dort verweilen. Außer ich bringe es irgendwann endlich mal übers Herz, Bücher, die mir nicht gefallen haben, zu verkaufen.

Habt einen schönen Dienstag, ihr Lieben!
 

Eure Lisa

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