Montag, 8. August 2016

Rezension: "Fünf am Meer" von Emma Sternberg

REZENSIONSEXEMPLAR zur Verfügung gestellt vom Heyne-Verlag


Autor: Emma Sternberg
Titel: Fünf am Meer
Verlag: Heyne
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 464
Preis: 9,99€
Bewertung: 2 von 5 Sternen
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Um was geht es? 
Es zieht Linn den Boden unter den Füßen weg, als sie ihren Verlobten in flagranti erwischt. Aber dann erfährt sie, dass sie geerbt hat – und findet sich in einem Haus in den Hamptons wieder, direkt am Meer. Die Bewohner, fünf lebenslustige Senioren, wachsen Linn bald ans Herz, genauso wie die gemeinsamen Granatapfel-Manhattans und die Storys über ihre glamouröse Tante Dorothy. Doch dann taucht dieser attraktive Journalist auf, der noch ein bisschen mehr zu wissen scheint ...

Meine Meinung: 
Die Geschichte ist als leichte Sommerlektüre am Strand ganz nett. Hunderprozentig überzeugen konnte sie mich allerdings nicht. Linn, die in Bayern zusammen mit ihrem Verlobten lebt, erwischt diesen mit einer engen Freundin und Kollegin in flagranti. Kurz danach steht ein gewisser Mr. Cunningham aus Amerika vor ihrer Tür und erzählt ihr von einem plötzlichen Erbe durch eine Tante zweiten Grades in den USA. Hals über Kopf verlässt Linn Deutschland und will sich das Haus ansehen. Mit den fünf Senioren, die dort wohnen, hat Linn nicht gerechnet. Doch da sie einen Vertrag mit Mr. Cunningham unterschrieben hat, der ihm eine hohe Summe des Hauswertes zugesteht, sitzt dieser ihr im Nacken. Linn weiß nicht, was sie tun soll, denn einfach vor die Tür setzen möchte sie die alten Leute, die ihr nach kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen sind, dann auch nicht.

Die Senioren sind allesamt recht sympathisch. Leider ist Linn, die Hauptfigur, ungefähr das genaue Gegenteil davon. So naiv, wie sie durch's Leben geht, sollte man gar nicht meinen, dass man es mit einer erwachsenen Frau zu tun hat, denn sie könnte auch gut als 15-Jährige durchgehen. Sie lässt sich total leicht um den Finger wickeln, ist extrem gutgläubig und blauäugig. Manchmal möchte man sich (oder am liebsten ihr) einfach gegen den Kopf hauen. So naiv kann doch keiner sein, oder?
Auch finde ich, dass Fremdgehen in diesem Buch etwas verherrlicht wird. Sicher war das nicht die Absicht der Autorin, aber Ornella, eine der älteren Damen, stellt es so hin, als bräuchten manche Männer das zur Bestätigung ihres Selbstwertgefühls. Mag sein, dass dem so ist, aber das ist für mich noch lange kein Grund, Betrug zu dulden, bei aller Liebe. Und alleine eine solche Rechtfertigung auszuführen, hat dem Buch mitunter eine weniger gute Bewertung eingehandelt.

Was mich auch sehr stört ist, dass das Buch (offensichtlich) in Amerika spielt. Bedeutet, dass die Figuren logischerweise Englisch sprechen, was man meines Erachtens nach nicht weiter hervorheben muss. Denn dass das Ganze in den USA spielt wird immer mal wieder erwähnt, so, dass es eigentlich nicht in Vergessenheit geraten sollte. Aber die Autorin bringt immer wieder Sätze, oder teilweise eher Satzfetzen, ein, die auf Englisch sind. Sprich, eine der amerikanischen Figuren sagt einen Teil auf Englisch und wechselt dann wieder ins Deutsche. Macht für mich absolut keinen Sinn, weil es den Anschein erweckt, die Figuren würden die meiste Zeit doch Deutsch sprechen. Hätte man sich sparen können und empfinde ich persönlich als nervig.

Irritierend fand ich auch, als Linn während eines Gesprächs mit dem Reporter, der in der Inhaltsangabe erwähnt wurde, von jetzt auf gleich vom Sie zum Du wechselte, ohne das irgendwie abzuklären oder es sonst irgendwie nochmal zu erwähnen, dass man sich ja auch duzen könnte. Mir ist durchaus bewusst, dass es im Englischen kein Sie gibt, aber da das Buch auf Deutsch geschrieben wurde und keine Übersetzung ist, hätte man das etwas eleganter umschreiben können. 

Auch hat sich die Geschichte etwas hingezogen. Mir war bis zur Hälfte des Buches nicht wirklich klar, worauf es hinauslaufen soll. Geht es jetzt um das Haus, darum, es zu retten? Um eine Liebesgeschichte um Linn und jemanden, den sie dort kennenlernt? Oder doch um etwas ganz anderes, das der Reporter ans Licht bringen möchte? Ehrlich gesagt hat sich bis zum Ende nicht wirklich herauskristallisiert, was denn nun der Kern der Geschichte war. Es war ein bisschen von allem. Ich denke, im Groben ging es darum, das Haus zu retten. Aber dafür war mir zu viel Drumherum dabei, das eigentlich nicht wirklich was zur Sache tut und alles nur unnötig in die Länge gezogen hat.

Wie gesagt, als leichte Sommerlektüre lässt sich das Buch gut lesen, aber man sollte nichts allzu Tiefschürfendes erwarten. Ich glaube, dass ich mit zu hohen Erwartungen an das Buch herangegangen bin und es mich dadurch einfach nicht überzeugen konnte.

Von mir maximal eine Leseempfehlung, wenn man wirklich leichten Stoff mit in den Urlaub nehmen möchte. Ansonsten in diesem Fall leider nicht. Aber ich rate wie immer dazu, dass ihr euch selber ein Bild macht :)

Bis bald,
eure Lisa

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