Donnerstag, 8. Dezember 2016

Adventskalender - 8. Türchen

Huhu!

Ich hoffe, alle von euch sind gesund und munter. Wisst ihr, was mich am Ende wirklich mal interessieren würde? Ob ihr eins der Bücher auf meine Empfehlung hin auf die Wunschliste gesetzt oder vielleicht sogar gekauft habt. Da könnt ihr mir gerne mal einen Kommentar hinterlassen. Vielleicht auch erst am 24., denn es wird ja noch einiges kommen. Wir sind ja erst bei Tag 8. :)


Heute möchte ich euch etwas vorstellen, was mir persönlich immer sehr nahe geht. Es geht um ein Buch über Magersucht, nämlich "Dann bin ich eben weg" von Christine Fehér. 
ACHTUNG! DIESER BEITRAG KÖNNTE BETROFFENE TRIGGERN!


Vielleicht habe ich schon mal erzählt, dass meine Cousine sehr wahrscheinlich an den Folgen ihrer jahrelangen Essstörung gestorben ist. Den richtigen Grund habe ich von meiner Tante nie erfahren, da wir auch nicht mehr viel Kontakt haben und sie irgendwie nie so mit der Wahrheit herausrücken wollte. Aber da meine Cousine krank geworden ist und ihr Körper aufgrund der Essstörung sowieso schon sehr schwach war, hat sie es leider nicht überlebt. Vor drei Tagen hat sich ihr Todestag schon wieder gejährt. Eigentlich hätte das Buch fast besser da reingepasst. Aber da ich das Thema so oder so wichtig finde, passt es auch jetzt.

In dem Buch geht es um Sina, die eigentlich überhaupt nicht dick ist. Aber natürlich passt sie nicht in die tolle Jeans von Melli. Und irgendwie sind da immer diese Selbstzweifel wegen ihres Gewichts. Es fängt alles schleichend an, bis sie voll und ganz in der Magersucht gefangen ist. Und ehe ihre Freunde und Familie bemerken, was los ist, ist es schon zu spät.
Sina führt Tagebuch über ihre Essgewohnheiten. Sowohl Gewicht als auch das was sie isst werden im Laufe der Geschichte immer weniger. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, was bedeutet, dass man sehr genau nachfühlen kann, wie Sina sich fühlt. Weniger bewusst wird einem, wie ihre Angehörigen sich fühlen, denn das bekommt man durch die Erzählperspektive nur am Rande mit. Natürlich merkt man, dass sie sich sorgen. Das Problem ist aber, dass dieses Sorgen bei Sina den gegenteiligen Effekt hat. Denn sie fühlt sich bevormundet. Und dann sind da noch ihr Onkel, der sie an der Brust berührt hat, was sie ihren Körper noch mehr hassen lässt, und der Druck in der Schule, der sie fertig macht. 
Im Grunde kann man sagen, Sina möchte einfach nicht mehr da sein. Sie hungert sich fast zu Tode. Der Titel ist auch sehr treffend für den Verlauf der Geschichte. Natürlich werden hier auch die körperlichen Folgen aufgezeigt. Kreislaufzusammenbrüche usw. sind fast an der Tagesordnung.

Dieses Buch behandelt ein sehr schwieriges Thema. Denn als Außenstehender weiß man nicht, wie man mit den Menschen, die an einer Essstörung erkrankt sind, umgehen soll. Man darf sie nicht bedrängen, weil es, wie oben erwähnt, dann dazu führen kann, dass sie sich bevormundet fühlen. Gerade bei Jugendlichen in der Pubertät oder auch bei Erwachsenen, die im Grunde auf eigenen Beinen stehen, kann das in die Hose gehen. Aber natürlich sollte man auch nicht einfach die Augen vor dem verschließen, was da vor sich geht. Es ist wirklich, wirklich schwierig, dem Menschen klarzumachen, dass er Hilfe braucht. Natürlich kann man ihn zwangseinweisen. Aber in der Regel hilft eine Therapie nur, wenn der Erkrankte selber erkennt, dass er krank ist und diese Hilfe braucht. Es bringt nichts, ihn zu zwingen. Das endet darin, dass er sich selbst und andere bescheißt. Und wenn er dann entlassen wird, geht das Spiel direkt wieder von vorne los. Und es ist ja nicht nur so, dass es zu Kreislaufzusammenbrüchen kommen kann. Die Organe können versagen, bei Mädchen bleibt die Blutung aus, der Mensch friert unheimlich und wenn er anderweitig erkrankt, hat er keine "Reserve" mehr, aus der der Körper Kraft ziehen kann. Außerdem sieht der Körper so eine enorme Gewichtsabnahme als "Rückentwicklung", weshalb sich ein Flaum auf der Haut bilden kann, wie er auch bei Babys zu finden ist.

Ich kann nur jedem von euch raten, wenn ihr selber merkt, dass ihr irgendwie in einer Spirale aus Wiegen und Hungern und vielleicht auch Essen und anschließend Erbrechen gefangen seid, sucht euch bitte, bitte Hilfe! Schlank sein ist nicht alles! Schönheit ist nicht alles! Ein Mensch ist von innen heraus schön, der Charakter und die Seele sind das, was zählt. Und jeder, der euch etwas anderes erzählt, spinnt!
Und solltet ihr jemanden kennen, der möglicherweise eine Essstörung hat, lasst euch beraten, wie ihr helfen könnt. Es gibt genug Stellen, wo euch und den Erkrankten Hilfe angeboten wird. Denn auch die Angehörigen müssen lernen, mit der Situation umzugehen. Und je eher ihr Hilfe holt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, den Teufelskreis in den Griff zu bekommen. Und ich sage bewusst "in den Griff" bekommen und nicht "entkommen", weil die meisten ehemals Erkrankten ihr Leben lang damit zu kämpfen haben. Rückfälle sind möglich. Aber selbst wenn nicht, war diese Erkrankung Teil des Lebens. Und es gibt so viele Dinge, die einen wieder zurückwerfen können.

Bitte, bitte, achtet auf euch und eure Mitmenschen!

Eure Lisa 

Kommentare:

  1. Das hast du wirklich treffend formuliert. Es ist ein sehr wichtiges Thema und wird leider nie alt werden, da scheinbar nur dünn als schön gilt. Zumindest reden davon alle Modemagazine.
    Das mit deiner Cousine tut mir sehr leid. Es ist aber schön zu sehen wie du deine Leser auf das Thema aufmerksam machst und ihnen zeigst, dass es schreckliche Folgen haben kann.
    Liebe Grüsse
    Julia

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    1. Liebe Julia,

      danke für deinen lieben Kommentar.
      Ich finde es auch wirklich traurig, was die Medien einem heutzutage so vermitteln, vor allem in Sachen "Schönheitsideal". Ich hoffe, dass das irgendwann mal aufhört, aber ich fürchte, dass es nur noch schlimmer wird.

      Danke nochmal!
      Liebste Grüße,
      Lisa

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  2. Liebe Lisa,

    danke, dass du darauf aufmerksam machst, das ist wirklich ein wichtiges Thema!
    Ich kenne niemanden, der an einer Essstörung leidet (zumindest glaube und hoffe ich das), aber deine letzten Worte kann und sollte man auch auf alles andere beziehen. Danke!

    Liebste Grüße
    Anabelle

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    1. Liebe Anabelle,

      da gebe ich dir vollkommen recht! Das bezieht sich im Grunde auf alle psychischen Krankheiten, gerade, weil die gerne viel zu spät wahrgenommen werden, weil man sie oft auch von außen nicht sieht (außer in so einem Fall jetzt).

      Danke für deine lieben Worte!

      Liebste Grüße,
      Lisa

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  3. Ahoi!
    Kannst du das nächste Mal bitte eine Trigger-Warnung oben einbauen? Das kann Betroffenen helfen zu entscheiden, ob sie den nachfolgenden Artikel lesen möchten oder nicht :)

    Cheerio
    Mareike

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    1. Entschuldige, natürlich! Da habe ich gar nicht dran gedacht! Das wird sofort nachgeholt!

      Liebe Grüße,
      Lisa

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