Montag, 6. Februar 2017

Rezension: "Die relative Unberechenbarkeit des Glücks" von Antonia Hayes

REZENSIONSEXEMPLAR zur Verfügung gestellt vom blanvalet-Verlag


Autor: Antonia Hayes
Originaltitel: Relativity
Titel: Die relative Unberechenbarkeit des Glücks
Verlag: blanvalet
Format: Gebunden
Seitenzahl: 464
Preis: 19,99€
Bewertung: 1 von 5 Sternen
Link zum Buch: Randomhouse/blanvalet - Die relative Unberechenbarkeit des Glücks

Um was geht es?

Der zwölfjährige Ethan hat ein paar ungewöhnliche Talente. Physik und Astronomie sind für ihn so selbstverständlich wie Lesen und Schreiben, und er sieht die Welt auf eine Weise, die anderen Menschen nicht begreiflich ist. Die wichtigste Person in seinem Leben ist seine Mutter Claire, aber je älter Ethan wird, desto öfter fragt er nach seinem Vater, den er nie kennengelernt hat. Er weiß nicht, dass er als Baby beinahe gestorben wäre und sein Vater in der Folge verurteilt wurde. Doch dann setzt ein unerwartet eintreffender Brief eine dramatische Kette von Ereignissen in Gang …

Meine Meinung: (ACHTUNG! SPOILER!)

Wie ihr sicher anhand meiner Bewertung sehen könnt, konnte mich dieses Buch leider überhaupt nicht überzeugen. Das finde ich sehr schade, denn von dem Titel und auch vom Klappentext hatte ich mir wirklich viel versprochen. Aber ich habe etwas ganz anderes erwartet, als dann letztendlich auf mich zugekommen ist. Leider komme ich auch diesmal nicht umhin zu spoilern, denn ich möchte meinem Frust doch etwas Luft machen. Zumal ich für dieses Buch über einen Monat gebraucht habe.
Aber fangen wir ganz von vorne an: Es geht um Claire, Ethan und Mark. Im Groben. Und im Grunde sind ihre Geschichten miteinander verknüpft, denn sie sind eine Familie. Claire und Mark sind Ethans Eltern. Aber in dem Buch wird quasi jede Lebensgeschichte einzeln erzählt. Mit wenigen Zusammenhängen. Sie sind zwar da, aber nicht so, dass sich für mich ein guter Lesefluss zwischen den Sprüngen ergibt. Im Gegenteil. Ich bin nur sehr stockend vorangekommen. Das lag nicht zuletzt auch daran, dass dieses Buch für mich mehr Wissenschaftsbuch als Roman war. Und ganz ehrlich: Wenn ich ein wissenschaftliches Buch lesen möchte, dann kaufe ich mir eins. Dann kaufe ich mir aber kein Buch, das ich in meiner Erwartung mit viel Gefühl verbinde. Denn das war meiner Meinung nach hier gar nicht vorhanden. Es war trocken und stupide, wie Wissenschaft, vor allem Physik, nunmal für mich ist. Physik hat mich noch nie interessiert (auch, wenn es wichtig ist, dass es Menschen gibt, die es interessiert, denn wo würden wir ohne Physik hinkommen?), daher war ich auch leicht genervt davon, dass in dem Buch so ein Fachgequatsche vorkam. Es war in meinen Augen wirklich kein Roman. Man hatte das Gefühl, die Autorin möchte mit ihren Fachausdrücken und ihrem Wissen nur so um sich werfen. Das, was wichtig gewesen wäre, nämlich das Menschliche mehr auszuschmücken, ist in der Geschichte absolut nicht rübergekommen. Mir ist durchaus bewusst, dass in dem Buch viel Arbeit und Recherche, vielleicht aber auch einfach unglaubliches Wissen steckt. Aber, so leid es mir tut, ich finde einfach, dass es in einem Roman mit einem solch schwierigen Thema nichts zu suchen hat. Vor allem nicht in dem Maße.

Okay, Ethan ist hochbegabt, extrem klug und interessiert sich sehr für Physik. Über seine Ausschweifungen in der wörtlichen Rede kann ich auch hinwegsehen. Aber es ging teilweise seitenlang nur um Materie, Teilchenphysik, Quantenmechanik, Lichtgeschwindigkeit und bäh. Einfach bäh. Ich habe teilweise (wie früher in der Schule auch) kein Wort verstanden und während des Lesens einfach abgeschaltet. 
Eigentlich soll es in dem Buch um die Beziehung zwischen Claire und Mark und um den Aufbau der Beziehung zwischen Mark und Ethan gehen. Aber das Ganze zog sich einfach nur wie Kaugummi, weil auf den ersten 380 Seiten so gut wie nichts passiert ist. Es war wie gesagt hauptsächlich wissenschaftliches Dahingerede, aber nichts, was mich besonders in seinen Bann gezogen hätte. Ich finde, das ganze Thema hätte man wesentlich gefühlvoller und intensiver ausschmücken können. Auch war mir keiner der Protagonisten auch nur im Mindesten sympathisch. Im Gegenteil, sie hatten alle Charaktereigenschaften an sich, die mir zuwider waren. Bis zuletzt mochte ich weder Ethan, noch Claire, noch Mark. Ethan war okay, aber Claire und Mark sind in meinen Augen einfach schlechte und egoistische Menschen. Logisch, Fehler macht jeder Mensch. Und man sollte Fehler verzeihen können. Aber ich finde einfach, dass diese beiden durchweg alles falsch gemacht haben, was sie nur falsch machen konnten. Claire war mir schon alleine deswegen unsympathisch, weil sie ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann hatte und sich dann wundert, dass in der Schule ihres Sohnes gemunkelt wird, sie sei eine Schlampe (ein Zitat, nicht meine eigenen Worte). 
Zwischendurch hatte man auch das Gefühl, dass die Autorin versucht hat, manche Szenen auf eine "sexy" Art und Weise rüberzubringen, was meines Erachtens nach wieder völlig Fehl am Platz war.

Mark ist ein unsympathischer Mensch, weil er den schwersten Fehler, den er je begangen hat, über Jahre nicht zugeben konnte. Er ist zum Ende des Buches hin immer schlimmer geworden. Alleine seine Gedankengänge in der Hinsicht verfolgen zu können hat mich echt wütend gemacht. Mit so einem Menschen könnte ich nicht umgehen.

Der einzige, wirklich kleine Lichtblick in diesem Buch war Alison. Ein Mädchen in Ethans Alter, dass er im Krankenhaus kennenlernt. Sie ist ein sehr herzlicher, ehrlicher Mensch mit Humor. Das hätte die Autorin gut und gerne ein wenig auf die andere Figuren ausweiten können.

Es hat auch einfach ewig gedauert, bis die Geschichte zum Punkt gekommen ist. Die ganze Zeit habe ich mir nur gedacht "um was geht es hier jetzt eigentlich wirklich? Mark und seinen Bruder und Vater? Claire und ihr Verhältnis und ihre Karriere? Ethan und seine außergewöhlichen Talente, die nichts anderes als eine Krankheit sind?". Ich habe bis kurz vor Ende des Buches einfach nicht den Sinn dieses Romans verstanden. Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch lest und euch einfach nur denkt "was zur Hölle ist der Kern der Geschichte?!". So ging es mir hier. Es gab nicht wirklich diesen allseitsbekannten roten Faden, der sich durch die Geschichte gezogen hat. Eher waren es zerbröselte Spaghetti.

Schade! Ich habe mir wirklich viel von dem Buch erhofft und bin maßlos enttäuscht worden!

Euch wünsche ich nun noch eine gute Nacht!

Eure Lisa

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