Samstag, 18. März 2017

Rezension: "Drecksspiel" von Martin Krist


Autor: Martin Krist
Titel: Drecksspiel
Verlag: Ullstein Buchverlage
Format: Taschenbuch
Seitenzahl: 400
Preis: 9,99€
Bewertung: 2 von 5 Herzen

Um was geht es?

Schlüssel rasseln an der Tür. »Ich hab mich hübsch gemacht«, wispert Hannah, während ihr Mann Philip hinter ihr den Raum durchquert. Seine Hand streift ihren Nacken. Sie neigt den Kopf und … sieht Handschuhe voller Blut. Finger schließen sich um ihre Kehle. Als sie wieder zu sich kommt, ist sie an einen Stuhl gefesselt. Vor ihr ein fremder Mann. Nur ein Gedanke peinigt sie in diesem Moment: Er darf Millie nicht finden! – Hannahs Tochter schläft im Zimmer nebenan. Seit der Expolizist David Gross vor Jahren untertauchen musste, arbeitet er als diskreter Problemlöser. Diesmal ist es ein grauenvoller Entführungsfall ...

Meine Meinung:


Also erst mal finde ich den Klappentext leicht irreführend. Es geht zwar mitunter auch um das, was da beschrieben wird (vielmehr ist es ein Auszug aus dem Buch), aber das Buch ist wesentlich komplexer. Man erwartet also etwas ganz anderes, als man bekommt. Das ist einer der Gründe, wieso ich Klappentexte nur noch lese, wenn ich Bücher neu kaufe. Wenn sie dann aber länger Zuhause liegen und ich lese sie erst spät, lese ich den Text nicht nochmal. Ich weiß ja, dass ich das Buch dann unter anderem gekauft habe, weil mir der Klappentext zugesagt hat. Lese ich ihn vorher aber nochmal, lasse ich mich beim Lesen zu sehr davon beeinflussen. Deshalb versuche ich das weitgehend zu vermeiden.

Zurück zum Buch. Mir persönlich waren in diesem Buch viel zu viele Figuren. Ich habe ja vorher „Ich. Darf. Nicht. Schlafen.“ Von S.J. Watson gelesen und darin waren wirklich wenige Figuren, sehr übersichtlich und ruhig was das angeht. Wenn man dann „Drecksspiel“ dagegenhält, wird man regelrecht erschlagen von Namen und Handlungen. Ich habe am Anfang sehr lange gebraucht, bis ich endlich wusste wer wer ist und um wen es nun eigentlich geht. Aber ich fand, das hat dem Ganzen etwas sehr Unruhiges gegeben. Nicht nur die Menge an Figuren, sondern auch dieses Aufeinanderprallen verschiedener Situationen, die auf den ersten Blick absolut nichts miteinander zu tun hatten. Am Anfang bekommt man den Eindruck, völlig zusammenhanglose Kurzgeschichten zu lesen. Denn die Kapitel sind in einzelne Abschnitte unterteilt und jeder Abschnitt handelt von anderen Personen (die im Laufe der einzelnen Kapitel wiederkehren) und eben von völlig unterschiedlichen Situationen. Das hat meinen Lesefluss unheimlich gestört. Dann war man gerade gut dabei und es wurde spannend, dann wurde wieder abrupt abgebrochen und es ging um etwas, was einen in dem Moment gar nicht interessiert hat, weil man wissen wollte, wie es bei dem anderen weitergeht. Klar, auf der einen Seite ist das klug gemacht, weil man so immer weiter liest, eben weil man ja wissen will, wie es weitergeht. Aber es hat mich beim Lesen, wie gesagt, einfach sehr gestört.

Dann muss ich sagen, dass ich die Figuren eigentlich durchweg unsympathisch fand. Entweder waren sie total egoistisch, asozial, widerlich, krank oder einfach nur super unfreundlich. Vor allem wusste keine von ihnen, was sie wirklich will. Extrem unentschlossene Personen, die absolut keinen Plan von ihrem Leben hatten. ALLE. Normalerweise ist doch zumindest eine vernünftige Figur dabei, aber das konnte ich diesmal absolut nicht behaupten.

Außerdem hat mich die zum Teil sehr vulgäre Sprache doch abgestoßen. Es hat zwar schon in das Buch gepasst, da das Ganze in Berlin spielt, unter anderem im Rotlichtviertel und auch so in den eher „dunkleren“ Ecken, aber wenn ich dauernd „Ey“, „Alter“ und „Fick deine Mutter“ lesen/hören will, dann geh ich vor die Tür und schau mir die Jugend von heute an. Wie gesagt, es passte, da es halt eben Jugendlich waren, die so gesprochen haben, aber es hat mich unheimlich gestört. Ich habe richtig gemerkt, wie ich diesen Menschen einen Duden in den Kopf hämmern möchte, nur damit ihre Auswahl an Wörtern größer wird. Mich stört sowas einfach. Ich les das nicht gerne. Egal ob es in die Situation passt oder nicht.

Außerdem hat man erst spät wahrgenommen, dass alle Szenen irgendwie miteinander zusammenhängen. Ist zwar eigentlich logisch, dass das bei so einem Buch so ist, aber es war einfach zu viel Durcheinander, zu viel auf einmal. Gefühlt 100 Leute entführt und getötet und was weiß ich nicht alles. Es ist auch nicht gerade für schwache Mägen gedacht, denn zum Teil war es doch sehr blutig und mir persönlich waren es zu viele Eingeweide und Erbrochenes. Also so oft wie sich in diesem Buch übergeben wurde, das hatte ich echt lange nicht mehr. Und mir fällt sowas dank meines leichten Problemchens mit Erbrechen ja sowieso immer sofort auf. Zum Glück kann ich sowas mittlerweile überhaupt lesen, sonst hätte ich das Buch vermutlich abgebrochen.

Der besondere Nervenkitzel, den Thriller oft parat halten, hat mir hier im Übrigen auch gefehlt. Ich fand, es ging beinahe schon mehr in Richtung Krimi.

Ihr seht, ich war wirklich nicht begeistert. Die Idee mag ganz gut gewesen sein, die Umsetzung hat mir nicht gefallen. Ich habe das Buch damals auf Empfehlung einer Booktuberin gekauft (fragt mich nicht, wer es war, das ist schon ewig her). Aber daran sieht man, dass Geschmäcker sehr verschiedenen sind. Meins war es nicht, dafür könnte es einem von euch gefallen.

Habt ein schönes Wochenende!

Eure Lisa

Kommentare:

  1. Hey :)
    Das Buch klingt ja interessant, aber deine Meinung darüber ist ja nicht so prickelnd, dann landet das wohl nicht auf meiner wuli, aber wenn ich es mal zufällig in der bibliothek entdecke, werde ich mir da sicher auch mal eine Meinung zu bilden.

    Liebe Grüße :)
    www.lydiaskleinebuecherwelt.blogspot.de

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    1. Hallo Lydia :)

      Ich hab es ja damals auf Empfehlung gekauft, die Booktuberin war total begeistert. Geschmäcker sind verschieden, vielleicht gefällt es dir ja wesentlich besser als mir :) War halt einfach nicht mein Stil, aber das muss auf dich ja nicht auch zutreffen.

      Liebste Grüße,
      Lisa

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